Ein kleiner Vorab-Bericht über

"Auch die dümmsten Rindviecher müssen gezeichnet werden!"
Detlef von Doovenstein unser vielseitiger Reporter, hat sich auf Grund mancherlei Gerüchte und Gerüche,
auf den Weg ins gelobte Land, den Wilden Westen,gemacht.

Zuerst fuhr er nach VauWeh-City. Ihr Wahrzeichen war schon von weitem sichtbar und er wurde am Eingang sehr gastfreundlich empfangen und sofort von einer ausnehmend symphatischen Blondine in eine grosszügig eingerichtete Suite geführt. Dort war ein Runde dezent gekleideter Herren versammelt. Als er seinen Pressseausweis hervorholen wollte, winkte man ab und meinte nur, "Na, so genau wollen wir es gar nicht wissen, Sie haben doch auch nichts gegen Diskretion?"
Dann erhielt er einen äusserst informativen Vortrag über Geld, Politik und Demokratie und wie man am besten damit umgeht..
Detlef nickte nur ab und zu, trank seinen Champus, knapperte gelegentlich an einem Kaviarbrötchen und liess sich von den redegewandten Herren ihre Strategie erklären.
Allmählich dämmerte ihm, dass er mit jemandem, der sich heute ebenfalls hier einfinden sollte, verwechselt wurde, aber da es war schon zu spät. Man wollte jetzt seine Meinung hören. Detlef betonte, dass ihm der Vortrag völlig neue Gesichstpunkte näher gebracht habe, lobte vielsilbig seinen Informationsgehalt, formte herrliche Worthülsen, aber sagte wenig aus.


Dafür wurde er mehrmals von Beifall und Hochrufen unterbrochen und die Augen der Manager glänzten mit den Schweissperlen auf Detlefs Stirn um die Wette.

Als aber von Doovenstein auf die jovial gestellte Frage, in welcher Partei und Position er als Mitglied fungiere, erklärte, er sei parteilos, da verabschieden sich die Herren mit den schnuckeligen Lederkoffern nach einer abrupt eingetretenen, sehr peinlichen Stille überraschend schnell, dabei gab es einige scheele Blicke und reichlich abwertende Bemerkungen. Nur wenig später zeigte ihm eine unangenehm unterkühlt wirkende Dame den Weg zum Parkplatz.
Na, was soll's, Reporter sind nun mal nicht überall gern gesehen.

 

Detlef machte noch eine Totalaufnahme der imposanten Ranchanlage, stieg in seinen 15 Jahre alten Kleinwagen und nahm seine Fahrt zum nächsten Ziel auf.

Auch über das RWE-County, nur ein paar Autominuten entfernt, wollte er sich eingehend informieren. Leider, so sagte man ihm, ist ausgerechnet heute der falsche Tag für Einzelbesprechungen mit den dafür zuständigen Entscheidungsträgern, aber er könne den gesamten Vorstand auf dem Rodeo im nahen globalen Dorf treffen. Der Platz liegt gleich in der Nähe der unübersehbaren Siemens-Ranch. Da diese ebenfall zu den Besuchsobjekten unseres rührigen Reporters gehörte, bedankte er sich höflich für diesen Hinweis und gab Gas.

Das verspricht doch noch interessant zu werden!

 
Über schier endlos weites Weideland näherte sich Detlef von Doovenstein der Siemens-Ranch. Ganz in der Nähe feierte man eine lautstarke Riesenfete.
Da war was los!
Unser Reporter wurde kurz über den Zweck der Veranstaltung aufgeklärt. Wie jeden Monat wird heute das Vieh für die grossen Züchter gezeichnet.
Aus nah und fern waren die grössten Rindviecher zusammen getrieben worden und warteten voll Ungeduld darauf, ihr Brandzeichen von den jeden und alles kontrollierenden Rinderbaronen zu erhalten.
 


Die Besitzer und ihre Majordomos aus den umliegen Zuchtanstalten standen in kleinen Gruppen zusammen, rauchten ihre Havannas, feixten und fachsimpelten über die Bullen mit den grössten Hörnern, Ochsen mit den fettesten Prämien und die Kühe mit den mächtigsten Eutern und wie man die Latifundien noch effizienter und gewinnbringender, aber mit weniger und billigerem Personal bewirtschaften könnte.
Detlef von Doovenstein machte indessen emsig seine Aufnahmen und Notizen. Erst sich ihm einer der Cowboys mit seinem glühenden Stempeleisen näherte und meinte, er solle doch wie die anderen, endlich seine Hosen runterlassen, suchte Detlef etwas überstürzt das Weite.
Man muss ja nicht jede Perversität mitmachen!

Es war ein Hin- und Her und die Rindviecher standen in langen Reihen vor ihren Brandmarkern. Es zischte und stank jedesmal, wenn sich eines der glühenden Eisen in den blanken Allerwertesten der Rinder frass. Nach der Kennzeichnung bekamen die Kreaturen ein paar freundliche Worte und wurden zur von ihnen sehnlichst erwarteten Tränke geführt.
In das tierische Gebrüll mischten sich die Flüche der Cowboys, die oft hart anpacken mussten, um den Besitz ihrer Gutsherren richtig zu markieren. Schliesslich soll das Viehzeug den erwarteten Gewinn im richtigen Stall abwerfen. Dafür nahm man das Gedränge, das Geschubse und das Treten in den einen oder anderen Kuhfladen als Vorleistung gerne in Kauf. Allerdings haben sich im Lauf der Zeit einige der Helfershelfer schon böse die Finger verbrannt, weil sie das heisse Markierungswerkzeug falsch angefasst hatten.

Das war der Vorabbericht über ein Geschehen, das sich heutezutage überall im Wilden Westen auf ähnliche Weise abspielt.
Sehen Sie, mal ganz unbedarft gefragt, irgendwelche Parallelen?

Nun, jetzt wäre es natürlich für jeden interessant, wie das endgültige Produkt aussieht. Einige der werten Betrachter werden sich gewiss schon ein paar Versionen andenken können...

Ja, und weiter mit der fertigen Karikatur geht es, wenn ich mir selbst wieder ein wenig "Zeitdiebstahl" leisten kann.

Aber das wird schon noch - bald - Versprochen!


Übrigens, bei diesen Recherchen im Reich der Rindviehbarone hat Detlef von Doovenstein keinen einzigen Bezieher von
Arbeitslosengeld 2, kurz ALG 2 genannt, getroffen!
Dabei wäre ein grosszügiges Brandstempelgeld jedem der schön geredeten 1€-Job vorzuziehen, vor allem, wenn man dafür kaum eine Gegenleistung liefern muss. Oder hätten Sie etwas dagegen, so ganz nebenbei einige Zehntausender zugesteckt zu bekommen?
Und zwar egal wohin?
Listinus Toplisten

Ach da war doch noch was? Mmm, ja natürlich, ein paar Links:

Siemens zahlt Gehälter an zwölf Politiker
Politiker mussten für VW-Gehalt nicht arbeiten
Lobbyismus, oder legale Korruption
Die ganz legale Korruption
Das Who is Who der Doppelverdiener

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Gästebuch
Version: 18.01.2005 10:17